Posts filed under 'Mein Leben und ich'
Auf den Spuren einer jüdischen Vergangenheit
Gestern besuchte ich den schönen Ort Třebíč, der in Südmähren gelegen ist. Eine Besichtigung des Jüdischen Viertels mit der Hinteren Synagoge sollte den Auftakt für den Stadtrundgang bilden.
Die Stadt Třebíč besaß seit dem Mittelalter eine lebhafte jüdische Geschichte und Kultur die immer im Spannungsverhältnis zum örtlichen Christentum stand. So mussten die JüdInnen der Stadt bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Repressionen erleiden, die sich in erhöhten Steuern und Taxen sowie der Begrenzung des beruflichen Wirkens niederschlugen. Erst im Jahre 1848 wurden ihnen alle BügerInnenrechte zugesprochen. Endlich durften sie sich frei bewegen, konnten aus dem Ghetto, in dem durchschnittlich 15 Personen pro Haus lebten, in schönere und größere Häuser der Stadt umziehen und sich auch in anderen Städten Mährens niederlassen, was berufliche Aufstiegsmöglichkeiten versprach.
Der zweite Weltkrieg hat die jüdische Kultur von Třebíč vollkommen vernichtet: Die Nazis verschleppten 281 JüdInnen in Konzentrationslager. Lediglich 19 von ihnen überlebten die brutale Folter, hatten aber nicht mehr die Kraft, die jüdische Gemeinde von Třebíč wieder zu erneuern. Einzig das Jüdische Viertel, das ehemalige Ghetto, erinnert an die einstmals blühende jüdische Kultur von Třebíč. Mit seinen zwei Synagogen und den 123 Häusern gehört es zu den best erhaltenen Ghettos in Europa.
Nach der Führung durch die Hintere Synagoge und das Jüdische Viertel besichtigte ich die Basilika des Heiligen Prokopius, die gemeinsam mit der JüdInnenstadt und dem jüdischen Friedhof in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Beim Betreten der Basilika scheint es, als würde mensch gleich in die Zeit des Mittelalters zurückversetzt werden.
Der Nebel des Weihrauch erfüllt den Raum, die Stimmung ist düster bis mystisch und nur durch die wenigen Glasfenster der Apsis dringt ein violetter Schimmer ins Kircheninnere.
Mein abschließender Gang über den jüdischen Friedhof erinnerte mich noch einmal an die mehrere Jahrhunderte währende Existenz der jüdischen Gemeinschaft von Třebíč. Die etwa 11.000 Grabsteine zeugen von einer Kultur, die nach den bestialischen Auswirkungen des Naziregimes keine Kraft mehr hatte, um wiedererstarken zu können.
Ich verließ Třebíč mit dem Gefühl, eine wunderbare Stadt besichtigt zu haben, die einmal mehr den Kontrast zwischen wunderbar lebendiger Kultur und dem Abgrund jenseits menschlicher Vernunft eindrucksvoll herausstellt.
1st picture: Svedek / creative commons
2nd picture: ivama / creative commons
Add comment Oktober 19, 2009
Ab heute bin ich Basis.
Heute wurde auf der Landesmitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND Brandenburg ein neuer Vorstand gewählt. Nachdem ich zwei Jahre in Folge Sprecherin des Landesverbandes war, habe ich mich dazu entschlossen, nicht erneut zu kandidieren. Ich freue mich, dass im neuen Landesvorstand einige neue Menschen aktiv werden können und wünsche allen viel Erfolg und eine gute Zusammenarbeit.
Ein komisches Gefühl ist es schon, plötzlich nicht mehr Sprecherin für Brandenburg zu sein. Aber auf der anderen Seite freue ich mich sehr, wieder mehr Zeit für neue Projekte und Visionen, mein Auslandsstudium, meinen Reise- und Erlebnisdrang und natürlich zwischenmenschliche Beziehungen zu haben. Ich will die kommenden Monate in Prag auskosten und mich ins Leben stürzen.
Mach’s gut, Brandenburg! Es war schön mit dir. Aber ab heute bin ich Basis.
Add comment Oktober 11, 2009
Silbergroschen und Totenwache
Mein zweiter Ausflug ins Prager Umland führte mich heute nach Kutná Hora, eine Stadt im östlichen Mittelböhmen, deren Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Kutná Hora ist bekannt für seine ehemals reichen Silbervorkommen. Ich selbst besichtigte einen ehemaligen Stollen der Silbermine, durch den ich mich stellenweise gebückt oder seitlich fortbewegen musste. Im 13. Jahrhundert wurde im Ort eine königliche Münzstätte gegründet und der böhmische Silbergroschen geprägt – eine der stabilsten Währungen im damaligen Europa. Kutná Hora entwickelte sich rasch zur zweitgrößten Stadt des böhmischen Königreichs und machte seinen König zum reichsten Herrscher Europas. Erst im 17. Jahrhundert verlor die Stadt durch die Erschließung neuer Gold- und Silberminen in der Neuen Welt und die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges an Bedeutung und verwandelte sich zu einem belanglosen Städtchen.
Besonders faszinierend war für mich die Besichtigung des Doms der Heiligen Barbara, dessen Errichtung von 1388 bis 1558 andauerte. Der Bau dieses imposanten Prestige-Objekts war ursprünglich als Konkurrenzprojekt zur Kirche Mariä Himmelfahrt in Sedlec geplant, mit dem sich das Patriziertum Kutná Horas vom Einfluss der dort ansässigen Zisterzienser-Mönche lösen wollte. Es kann als Ironie der Geschichte betrachtet werden, dass Sedlec heute ein Stadtteil von Kutná Hora ist.
In Sedlec befindet sich auch das Kostnice Sedlec. Dies ist ein Beinhaus, in dem über 40.000 menschliche Knochen aufbewahrt werden, die das Innere der Allerheiligenkirche ausgestalten. Hier kann beispielsweise ein gigantischer Kronleuchter gesehen werden, der aus nahezu allen im menschlichen Körper vorkommenden Knochen geformt ist. Makabere Kunst.
Kutná Hora – historisch lehrreich und ästhetisch eindrucksvoll.
1st picture: Blue Moon 505 / license: creative commons
2nd picture: Jizzon / license: creative commons
Add comment Oktober 10, 2009
Wo Moldau und Elbe sich verbinden
Gestern unternahm ich meinen ersten Ausflug nach Mittelböhmen. Mělník, eine Stadt etwa 30 km nördlich von Prag, empfing ihre BesucherInnen mit warmem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.
Ein kurzer Gang durch die Stadt führt jedeN BesucherIn zum wohl schönsten Aussichtspunkt, den Mělník zu bieten hat: Direkt hinter dem Schloss kann ein wunderbarer Ausblick über das gesamte Umland genossen werden. Zu Füßen des mit Wein bepflanzten Schlossberges vereinen sich die Flüsse Vltava (Moldau) und Labe (Elbe) und setzen ihren Weg durch die Landschaft fort.
In Mělník besuchte ich die städtischen Untergrundgewölbe, die wahrscheinlich bereits ab dem 13. Jahrhundert entstanden sind und ein etwa 8-10 m tiefes unterirdisches Gangsystem bilden. Der Untergrund diente in verschiedenen Zeiten als Gefängnis, Ort der Folter und Hinrichtung sowie als Flucht- und Schutzmöglichkeit.
Nach einem Rundgang durch das Schloss, in dem der heilige Václav (Wenzel von Böhmen) aufgewachsen ist, nahm ich anschließend an einer Weinverkostung teil. Selbst er, der heilige Václav, Patron der böhmischen Weinbauern und Nationalheiliger der Tschechischen Republik, soll im 10. Jahrhundert in den Weinbergen von Mělník gearbeitet haben. Ihm ist der 28. September als tschechischer Staatsfeiertag gewidmet.
Mein erster Ausflug nach Mittelböhmen war wirklich lohnenswert und ich freue mich schon auf die nächsten Reiseziele.
Add comment Oktober 4, 2009
Ahoj Praha!
Vor nun gut einer Woche bin ich in Prag angekommen. Die Stadt ist wirklich herrlich und glänzt in allen erdenklichen Farben. Selbst wenn das Wetter – wie seit wenigen Tagen – etwas schlechter ist, macht es mir viel Spaß, meine neue Heimat zu erkunden.
Für die nächsten Wochen habe ich mir viel vorgenommen. So werde ich beispielsweise Ausflüge zu verschiedenen Zielen in der Tschechischen Republik machen, sicherlich viele ERASMUS-Studierende und tschechische StudentInnen kennenlernen und natürlich auch die Uni besuchen, welche höchst interessante Seminare und Vorlesungen verspricht.
Ich bin neugierig, was ich alles erleben werde und freue mich auf viele optische, akustische, kulinarische sowie kulturelle Eindrücke und Erfahrungen.
Ahoj Praha!
Add comment Oktober 1, 2009
Auf den letzten Drücker.
So schnell habe ich noch nie gewählt.
Dienstag Abend habe ich im Eilantrag die Sendung meiner Wahlunterlagen an meinen derzeitigen Aufenthaltsort beantragt, Mittwoch früh sind diese verschickt und heute Mittag bei mir angekommen. Ich habe rasch zwei Kreuzchen an der richtigen Stelle gesetzt, die Unterlagen gut eingetütet und verklebt und alles in den nächsten Briefkasten geworfen. 
Meine Sachen für Prag sind derweil gut verpackt und warten darauf, dass es bald los geht. Morgen Vormittag werde ich in den Zug einsteigen und am Nachmittag in meiner neuen Heimat einrollen.
Zum Schluss drücke ich insbesondere noch Benjamin und Clemens die Daumen, hoffe auf gute Wahlergebnisse im Bund und darauf, dass Brandenburg ergrünen möge. Macht’s gut und bis bald!
picture: cbgreenwood / license: creative commons
Add comment September 24, 2009




