Posts filed under 'Heute hier - morgen dort'
Kontrastreiches Südosteuropa.
4 Personen, 8 Tage, 1 VW-Bus, viele Ziele:
Praha (CZ), Bratislava (SK), Osijek (HR), Vukovar (HR), Đakovo (HR), Sarajevo (BiH), Konjic (BiH), Mostar (BiH), Kotor (MNE), Dubrovnik (HR), Split (HR), Trogir (HR), Zadar (HR), Zagreb (HR), Maribor (SLO), Wien (A), Praha (CZ).
Ein faszinierend kontrastreiches Südosteuropa wartete darauf, entdeckt zu werden.
Wasserturm von Vukovar (Kroatien)
Der Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Der Wasserturm von Vukovar gilt als Kroatiens Mahnmal wider menschliche Stupidität.
Sarajevo (Bosnien und Herzegowina)
Eine Stadt der Gegensätze. Der Ruf des Muezzins wird von Glockengeläut begleitet und das bunte Leben Sarajevos lässt sich vom Smog, der sich während des Tages über die Stadt legt, scheinbar nicht beeinträchtigen.
Landminengefahr in Bosnien und Herzegowina
Unsere Straße führt durch Wälder, Karst und tote Dörfer. Der Weg sollte niemals verlassen werden. Die Menschen, die nach dem Krieg in ihre zerbombten Häuser zurückgekehrt sind, haben gelernt, mit der ständigen Gefahr zu leben.
Landschaft in der Herzegowina
Eine unglaublich interessante und abwechslungsreiche Landschaft lässt die ständige Gefahr zu leicht vergessen.
Wasserfälle in der Herzegowina
Ein Picknick mit Blick auf ein wunderbares Naturschauspiel vertreibt trübe Gedanken und lässt die einzigartige Natur der Herzegowina entspannend genießen.
Mostar (Bosnien und Herzegowina)
Seit dem Wiederaufbau lebt die Stadt vom Tourismus. In der Nebensaison lässt sich Mostars ambivalente Atmosphäre besonders am Morgen genießen.
Kotor (Montenegro)
Ein morgendlicher Gang zum Ufer der Stadt wirkt erfrischend und entspannend zugleich. Während sich der Nebel allmählich verzieht, blinzelt man den ersten Sonnenstrahlen zwischen den Bergkuppen entgegen.
Der Hafen von Dubrovnik (Kroatien)
Eine Stadt erstrahlt im Glanz. Selbst in den Gehwegplatten glänzt der Sonnenschein.
Lichter für Vukovar
Die Zerstörung Vukovars ist allgegenwärtig. Jährlich werden zum Gedenktag an die Zerstörung der Stadt am 18. November 1991 in ganz Kroatien Lichter der Erinnerung entzündet.
Der Hafen von Split (Kroatien)
Sommer, Palmen, Sonnenschein. Ein Sommer im November.
Hinterhof in Trogir (Kroatien)
Italienisches Flair in den Hinterhöfen einer UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt. Der Sommer scheint hier nie zu vergehen.
Ahoj, liebe Welt, ich bekomme nicht genug von dir!
Add comment November 22, 2009
Zweigeteilt.
Einige Wochen sind seit meinem letzten Beitrag vergangen. Wochen, in denen viel geschehen ist.
Ich fühle mich in dieser wunderbaren Stadt in einem wirklich vielseitigen Land sehr wohl, habe viele liebe Menschen kennengelernt, von denen einige für mich zu FreundInnen geworden sind und meine häufigen Reisen, von denen ich bisher nur wenige dokumentieren konnte, bereichern mein Leben ungemein.
Gerne möchte ich meinen Aufenthalt hier verlängern, jedoch scheint dies im Moment an der Anerkennung eines bestimmten Kurses an der Universität zu scheitern. Doch noch gebe ich nicht auf.
Nach Prag bin ich mit der Erwartung gekommen, neue Erfahrungen, kreative Ideen und völlig andere Perspektiven kennenzulernen. Diese geballte Portion Leben wird in diesen Tagen zu einer besonderen Herausforderung für mich. Ich lerne, dass das Leben nicht planbar ist und genau dies das einzigartige, manchmal schwer begreifbare, aber eigentliche Geschenk unseres Daseins ist.
Mein Leben empfinde ich seit kurzem als zweigeteilt. Ich fühle mich starken Kontrasten ausgesetzt, aber nicht ausgeliefert. Die extremen Pole, die ein jedes Leben an seinen äußeren Punkten markieren, sind für mich im Moment fixe Konstanten, zwischen denen sich meine Empfindungen abspielen. Doch das sollen sie nicht bleiben. Ich will sie als flexible Punkte empfinden können, die sich immer wieder aufeinander zu bewegen. Ich möchte jedes wechselseitige Gefühl in mir aufsaugen, es wirken lassen und so lange wie möglich in mir speichern können.
Gerade verrinnt die Zeit wie Sand in meinen Händen. Dinge geschehen, ich werde gefangen genommen und wach gerüttelt, erlebe Höhen- aber auch Tiefflüge. Vieles hat sich verändert, weniges ist beim Alten geblieben.
Wieder einmal hat das Leben mich gepackt. Ein Grund für mich, heute selbst meinen Rucksack zu packen und Reißaus zu nehmen.
Ich breche auf nach Bosnien und Herzegowina, nach Kroatien und Slowenien, mit drei Reisebegleitern und einem VW-Bus, mit Schlafsäcken und dem nötigen Kleingeld in der Tasche. Ich freue mich, mich von allem, was mich derzeit mental fesselt, losreißen zu können und stürze mich spontan und Hals über Kopf ins nächste Abenteuer.
Ahoj, liebes Leben, ich will dich erleben!
1st picture: chaosinjune / license: creative commons
2nd picture: jordanw1985 / license: creative commons
Add comment November 13, 2009
Auf den Spuren einer jüdischen Vergangenheit
Gestern besuchte ich den schönen Ort Třebíč, der in Südmähren gelegen ist. Eine Besichtigung des Jüdischen Viertels mit der Hinteren Synagoge sollte den Auftakt für den Stadtrundgang bilden.
Die Stadt Třebíč besaß seit dem Mittelalter eine lebhafte jüdische Geschichte und Kultur die immer im Spannungsverhältnis zum örtlichen Christentum stand. So mussten die JüdInnen der Stadt bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Repressionen erleiden, die sich in erhöhten Steuern und Taxen sowie der Begrenzung des beruflichen Wirkens niederschlugen. Erst im Jahre 1848 wurden ihnen alle BügerInnenrechte zugesprochen. Endlich durften sie sich frei bewegen, konnten aus dem Ghetto, in dem durchschnittlich 15 Personen pro Haus lebten, in schönere und größere Häuser der Stadt umziehen und sich auch in anderen Städten Mährens niederlassen, was berufliche Aufstiegsmöglichkeiten versprach.
Der zweite Weltkrieg hat die jüdische Kultur von Třebíč vollkommen vernichtet: Die Nazis verschleppten 281 JüdInnen in Konzentrationslager. Lediglich 19 von ihnen überlebten die brutale Folter, hatten aber nicht mehr die Kraft, die jüdische Gemeinde von Třebíč wieder zu erneuern. Einzig das Jüdische Viertel, das ehemalige Ghetto, erinnert an die einstmals blühende jüdische Kultur von Třebíč. Mit seinen zwei Synagogen und den 123 Häusern gehört es zu den best erhaltenen Ghettos in Europa.
Nach der Führung durch die Hintere Synagoge und das Jüdische Viertel besichtigte ich die Basilika des Heiligen Prokopius, die gemeinsam mit der JüdInnenstadt und dem jüdischen Friedhof in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Beim Betreten der Basilika scheint es, als würde mensch gleich in die Zeit des Mittelalters zurückversetzt werden.
Der Nebel des Weihrauch erfüllt den Raum, die Stimmung ist düster bis mystisch und nur durch die wenigen Glasfenster der Apsis dringt ein violetter Schimmer ins Kircheninnere.
Mein abschließender Gang über den jüdischen Friedhof erinnerte mich noch einmal an die mehrere Jahrhunderte währende Existenz der jüdischen Gemeinschaft von Třebíč. Die etwa 11.000 Grabsteine zeugen von einer Kultur, die nach den bestialischen Auswirkungen des Naziregimes keine Kraft mehr hatte, um wiedererstarken zu können.
Ich verließ Třebíč mit dem Gefühl, eine wunderbare Stadt besichtigt zu haben, die einmal mehr den Kontrast zwischen wunderbar lebendiger Kultur und dem Abgrund jenseits menschlicher Vernunft eindrucksvoll herausstellt.
1st picture: Svedek / creative commons
2nd picture: ivama / creative commons
Add comment Oktober 19, 2009
Silbergroschen und Totenwache
Mein zweiter Ausflug ins Prager Umland führte mich heute nach Kutná Hora, eine Stadt im östlichen Mittelböhmen, deren Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Kutná Hora ist bekannt für seine ehemals reichen Silbervorkommen. Ich selbst besichtigte einen ehemaligen Stollen der Silbermine, durch den ich mich stellenweise gebückt oder seitlich fortbewegen musste. Im 13. Jahrhundert wurde im Ort eine königliche Münzstätte gegründet und der böhmische Silbergroschen geprägt – eine der stabilsten Währungen im damaligen Europa. Kutná Hora entwickelte sich rasch zur zweitgrößten Stadt des böhmischen Königreichs und machte seinen König zum reichsten Herrscher Europas. Erst im 17. Jahrhundert verlor die Stadt durch die Erschließung neuer Gold- und Silberminen in der Neuen Welt und die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges an Bedeutung und verwandelte sich zu einem belanglosen Städtchen.
Besonders faszinierend war für mich die Besichtigung des Doms der Heiligen Barbara, dessen Errichtung von 1388 bis 1558 andauerte. Der Bau dieses imposanten Prestige-Objekts war ursprünglich als Konkurrenzprojekt zur Kirche Mariä Himmelfahrt in Sedlec geplant, mit dem sich das Patriziertum Kutná Horas vom Einfluss der dort ansässigen Zisterzienser-Mönche lösen wollte. Es kann als Ironie der Geschichte betrachtet werden, dass Sedlec heute ein Stadtteil von Kutná Hora ist.
In Sedlec befindet sich auch das Kostnice Sedlec. Dies ist ein Beinhaus, in dem über 40.000 menschliche Knochen aufbewahrt werden, die das Innere der Allerheiligenkirche ausgestalten. Hier kann beispielsweise ein gigantischer Kronleuchter gesehen werden, der aus nahezu allen im menschlichen Körper vorkommenden Knochen geformt ist. Makabere Kunst.
Kutná Hora – historisch lehrreich und ästhetisch eindrucksvoll.
1st picture: Blue Moon 505 / license: creative commons
2nd picture: Jizzon / license: creative commons
Add comment Oktober 10, 2009
Wo Moldau und Elbe sich verbinden
Gestern unternahm ich meinen ersten Ausflug nach Mittelböhmen. Mělník, eine Stadt etwa 30 km nördlich von Prag, empfing ihre BesucherInnen mit warmem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.
Ein kurzer Gang durch die Stadt führt jedeN BesucherIn zum wohl schönsten Aussichtspunkt, den Mělník zu bieten hat: Direkt hinter dem Schloss kann ein wunderbarer Ausblick über das gesamte Umland genossen werden. Zu Füßen des mit Wein bepflanzten Schlossberges vereinen sich die Flüsse Vltava (Moldau) und Labe (Elbe) und setzen ihren Weg durch die Landschaft fort.
In Mělník besuchte ich die städtischen Untergrundgewölbe, die wahrscheinlich bereits ab dem 13. Jahrhundert entstanden sind und ein etwa 8-10 m tiefes unterirdisches Gangsystem bilden. Der Untergrund diente in verschiedenen Zeiten als Gefängnis, Ort der Folter und Hinrichtung sowie als Flucht- und Schutzmöglichkeit.
Nach einem Rundgang durch das Schloss, in dem der heilige Václav (Wenzel von Böhmen) aufgewachsen ist, nahm ich anschließend an einer Weinverkostung teil. Selbst er, der heilige Václav, Patron der böhmischen Weinbauern und Nationalheiliger der Tschechischen Republik, soll im 10. Jahrhundert in den Weinbergen von Mělník gearbeitet haben. Ihm ist der 28. September als tschechischer Staatsfeiertag gewidmet.
Mein erster Ausflug nach Mittelböhmen war wirklich lohnenswert und ich freue mich schon auf die nächsten Reiseziele.
Add comment Oktober 4, 2009
Ahoj Praha!
Vor nun gut einer Woche bin ich in Prag angekommen. Die Stadt ist wirklich herrlich und glänzt in allen erdenklichen Farben. Selbst wenn das Wetter – wie seit wenigen Tagen – etwas schlechter ist, macht es mir viel Spaß, meine neue Heimat zu erkunden.
Für die nächsten Wochen habe ich mir viel vorgenommen. So werde ich beispielsweise Ausflüge zu verschiedenen Zielen in der Tschechischen Republik machen, sicherlich viele ERASMUS-Studierende und tschechische StudentInnen kennenlernen und natürlich auch die Uni besuchen, welche höchst interessante Seminare und Vorlesungen verspricht.
Ich bin neugierig, was ich alles erleben werde und freue mich auf viele optische, akustische, kulinarische sowie kulturelle Eindrücke und Erfahrungen.
Ahoj Praha!
Add comment Oktober 1, 2009















