Silbergroschen und Totenwache
Oktober 10, 2009
Mein zweiter Ausflug ins Prager Umland führte mich heute nach Kutná Hora, eine Stadt im östlichen Mittelböhmen, deren Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Kutná Hora ist bekannt für seine ehemals reichen Silbervorkommen. Ich selbst besichtigte einen ehemaligen Stollen der Silbermine, durch den ich mich stellenweise gebückt oder seitlich fortbewegen musste. Im 13. Jahrhundert wurde im Ort eine königliche Münzstätte gegründet und der böhmische Silbergroschen geprägt – eine der stabilsten Währungen im damaligen Europa. Kutná Hora entwickelte sich rasch zur zweitgrößten Stadt des böhmischen Königreichs und machte seinen König zum reichsten Herrscher Europas. Erst im 17. Jahrhundert verlor die Stadt durch die Erschließung neuer Gold- und Silberminen in der Neuen Welt und die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges an Bedeutung und verwandelte sich zu einem belanglosen Städtchen.
Besonders faszinierend war für mich die Besichtigung des Doms der Heiligen Barbara, dessen Errichtung von 1388 bis 1558 andauerte. Der Bau dieses imposanten Prestige-Objekts war ursprünglich als Konkurrenzprojekt zur Kirche Mariä Himmelfahrt in Sedlec geplant, mit dem sich das Patriziertum Kutná Horas vom Einfluss der dort ansässigen Zisterzienser-Mönche lösen wollte. Es kann als Ironie der Geschichte betrachtet werden, dass Sedlec heute ein Stadtteil von Kutná Hora ist.
In Sedlec befindet sich auch das Kostnice Sedlec. Dies ist ein Beinhaus, in dem über 40.000 menschliche Knochen aufbewahrt werden, die das Innere der Allerheiligenkirche ausgestalten. Hier kann beispielsweise ein gigantischer Kronleuchter gesehen werden, der aus nahezu allen im menschlichen Körper vorkommenden Knochen geformt ist. Makabere Kunst.
Kutná Hora – historisch lehrreich und ästhetisch eindrucksvoll.
1st picture: Blue Moon 505 / license: creative commons
2nd picture: Jizzon / license: creative commons
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