Archive for Oktober 2009
Alarmstufe Rot!
Seitdem die Landtagswahlen am 27. September in Brandenburg eine rot-rote Mehrheit erahnen ließen, verhandeln die brandenburgische SPD und die Linke über einen Koalitionsvertrag. Obwohl sich die Linke noch lange vor den Landtagswahlen in ihrem Wahlprogramm gegen neue Tagebaue in Brandenburg ausgesprochen und sich seit dem letzten Jahr sogar aktiv am Volksbegehren „Keine neuen Tagebaue!“ beteiligt hat, droht sie nun, ihr größtes umweltpolitisches Versprechen zu brechen.
In den derzeitigen Koalitionsverhandlungen zwischen ihr und der SPD geht es darum, vier weitere neue Tagebaue im Süden Brandenburgs zu erschließen. Bereits in der ersten Runde der Koalitionsverhandlungen ist die Linke vor der SPD und dem Energiekonzern Vattenfall eingeknickt: Anstelle eines Ausstiegs aus der Braunkohle soll jetzt die Energiepolitik der alten Landesregierung fortgeschrieben werden. Schon am nächsten Mittwoch soll der rot-rote Koalitionsvertrag stehen.
Die Gründe gegen die Erschließung weiterer Tagebaue sind zahlreich. Sie können klar strukturiert und leicht verständlich auf den Seiten des leider gescheiterten Volksbegehrens sowie der neuen Aktion von CampAct nachgelesen werden. Die unterstützenswerte und nicht aufwändige Mail-Aktion von CampAct fordert die wichtigsten VerhandlungsführerInnen von die Linke auf, bei ihrem Wahlversprechen zu bleiben und neuen Tagebauen in Brandenburg eine klare Absage zu erteilen. Macht Druck und nehmt an der Aktion teil!
picture: smitty42 / license: creative commons
Add comment Oktober 22, 2009
Auf den Spuren einer jüdischen Vergangenheit
Gestern besuchte ich den schönen Ort Třebíč, der in Südmähren gelegen ist. Eine Besichtigung des Jüdischen Viertels mit der Hinteren Synagoge sollte den Auftakt für den Stadtrundgang bilden.
Die Stadt Třebíč besaß seit dem Mittelalter eine lebhafte jüdische Geschichte und Kultur die immer im Spannungsverhältnis zum örtlichen Christentum stand. So mussten die JüdInnen der Stadt bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Repressionen erleiden, die sich in erhöhten Steuern und Taxen sowie der Begrenzung des beruflichen Wirkens niederschlugen. Erst im Jahre 1848 wurden ihnen alle BügerInnenrechte zugesprochen. Endlich durften sie sich frei bewegen, konnten aus dem Ghetto, in dem durchschnittlich 15 Personen pro Haus lebten, in schönere und größere Häuser der Stadt umziehen und sich auch in anderen Städten Mährens niederlassen, was berufliche Aufstiegsmöglichkeiten versprach.
Der zweite Weltkrieg hat die jüdische Kultur von Třebíč vollkommen vernichtet: Die Nazis verschleppten 281 JüdInnen in Konzentrationslager. Lediglich 19 von ihnen überlebten die brutale Folter, hatten aber nicht mehr die Kraft, die jüdische Gemeinde von Třebíč wieder zu erneuern. Einzig das Jüdische Viertel, das ehemalige Ghetto, erinnert an die einstmals blühende jüdische Kultur von Třebíč. Mit seinen zwei Synagogen und den 123 Häusern gehört es zu den best erhaltenen Ghettos in Europa.
Nach der Führung durch die Hintere Synagoge und das Jüdische Viertel besichtigte ich die Basilika des Heiligen Prokopius, die gemeinsam mit der JüdInnenstadt und dem jüdischen Friedhof in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Beim Betreten der Basilika scheint es, als würde mensch gleich in die Zeit des Mittelalters zurückversetzt werden.
Der Nebel des Weihrauch erfüllt den Raum, die Stimmung ist düster bis mystisch und nur durch die wenigen Glasfenster der Apsis dringt ein violetter Schimmer ins Kircheninnere.
Mein abschließender Gang über den jüdischen Friedhof erinnerte mich noch einmal an die mehrere Jahrhunderte währende Existenz der jüdischen Gemeinschaft von Třebíč. Die etwa 11.000 Grabsteine zeugen von einer Kultur, die nach den bestialischen Auswirkungen des Naziregimes keine Kraft mehr hatte, um wiedererstarken zu können.
Ich verließ Třebíč mit dem Gefühl, eine wunderbare Stadt besichtigt zu haben, die einmal mehr den Kontrast zwischen wunderbar lebendiger Kultur und dem Abgrund jenseits menschlicher Vernunft eindrucksvoll herausstellt.
1st picture: Svedek / creative commons
2nd picture: ivama / creative commons
Add comment Oktober 19, 2009
Berlin ist …
Add comment Oktober 12, 2009
Ab heute bin ich Basis.
Heute wurde auf der Landesmitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND Brandenburg ein neuer Vorstand gewählt. Nachdem ich zwei Jahre in Folge Sprecherin des Landesverbandes war, habe ich mich dazu entschlossen, nicht erneut zu kandidieren. Ich freue mich, dass im neuen Landesvorstand einige neue Menschen aktiv werden können und wünsche allen viel Erfolg und eine gute Zusammenarbeit.
Ein komisches Gefühl ist es schon, plötzlich nicht mehr Sprecherin für Brandenburg zu sein. Aber auf der anderen Seite freue ich mich sehr, wieder mehr Zeit für neue Projekte und Visionen, mein Auslandsstudium, meinen Reise- und Erlebnisdrang und natürlich zwischenmenschliche Beziehungen zu haben. Ich will die kommenden Monate in Prag auskosten und mich ins Leben stürzen.
Mach’s gut, Brandenburg! Es war schön mit dir. Aber ab heute bin ich Basis.
Add comment Oktober 11, 2009
Silbergroschen und Totenwache
Mein zweiter Ausflug ins Prager Umland führte mich heute nach Kutná Hora, eine Stadt im östlichen Mittelböhmen, deren Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Kutná Hora ist bekannt für seine ehemals reichen Silbervorkommen. Ich selbst besichtigte einen ehemaligen Stollen der Silbermine, durch den ich mich stellenweise gebückt oder seitlich fortbewegen musste. Im 13. Jahrhundert wurde im Ort eine königliche Münzstätte gegründet und der böhmische Silbergroschen geprägt – eine der stabilsten Währungen im damaligen Europa. Kutná Hora entwickelte sich rasch zur zweitgrößten Stadt des böhmischen Königreichs und machte seinen König zum reichsten Herrscher Europas. Erst im 17. Jahrhundert verlor die Stadt durch die Erschließung neuer Gold- und Silberminen in der Neuen Welt und die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges an Bedeutung und verwandelte sich zu einem belanglosen Städtchen.
Besonders faszinierend war für mich die Besichtigung des Doms der Heiligen Barbara, dessen Errichtung von 1388 bis 1558 andauerte. Der Bau dieses imposanten Prestige-Objekts war ursprünglich als Konkurrenzprojekt zur Kirche Mariä Himmelfahrt in Sedlec geplant, mit dem sich das Patriziertum Kutná Horas vom Einfluss der dort ansässigen Zisterzienser-Mönche lösen wollte. Es kann als Ironie der Geschichte betrachtet werden, dass Sedlec heute ein Stadtteil von Kutná Hora ist.
In Sedlec befindet sich auch das Kostnice Sedlec. Dies ist ein Beinhaus, in dem über 40.000 menschliche Knochen aufbewahrt werden, die das Innere der Allerheiligenkirche ausgestalten. Hier kann beispielsweise ein gigantischer Kronleuchter gesehen werden, der aus nahezu allen im menschlichen Körper vorkommenden Knochen geformt ist. Makabere Kunst.
Kutná Hora – historisch lehrreich und ästhetisch eindrucksvoll.
1st picture: Blue Moon 505 / license: creative commons
2nd picture: Jizzon / license: creative commons
Add comment Oktober 10, 2009
Damals in der DDR
Heute vor 20 Jahren kam es zur bis dato größten Montagsdemonstration in der Geschichte der DDR. 70.000 Menschen gingen in Leipzig auf die Straße, um für die Achtung der Menschen- und BürgerInnenrechte zu demonstrieren. Die überwältigende Demonstration, die nur zwei Tage nach den Jubelfeiern zum 40. Jahrestag der DDR-Staatsgründung stattfand, kann heute als wohl bedeutendster und ausschlaggebendster Tag in der Geschichte der friedlichen Revolution angesehen werden.

Empfehlenswert ist die von arte.tv erstellte multimediale Präsentation „Das Wunder von Leipzig“, die die Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 anschaulich und chronologisch aufbereitet.
Für besonders unterstützenswert halte ich den Antrag an die Bundesdelegiertenkonferenz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 24./25. Oktober in Rostock, der vorschlägt, künftig den Jahrestag des 9. Oktober 1989 als Tag der Menschen- und BürgerInnenrechte, der Zivilcourage und der deutschen Einheit zum nationalen Feiertag zu erklären. Damit würde der leidige 3. Oktober – ein historisch bedeutungsloser Tag des formalen Vollzugs der deutschen Einigung – endgültig in der Versenkung der Belanglosigkeit verschwinden.
picture: qatsi / license: creative commons
Add comment Oktober 9, 2009





