Archive for Mai 2009

Erste SPUNK-Sitzung.

Die erste SPUNK-Sitzung liegt hinter mir. Von gestern Nachmittag bis heute Abend wurde geplant, diskutiert, überlegt und getüftelt, bis die Köpfe rauchten. Das Thema der kommenden Ausgabe ist „Medien“. Erwartet werden können ein Design mit Pfiff und Fakten, Fakten, Fakten.

Nun bin ich noch ein paar Stunden in Weimar und habe etwas Zeit zum ausruhen. Gleich werde ich ein bisschen durch die Stadt schlendern, denn jetzt fehlt nur noch Sonne und frische Luft.

Add comment Mai 31, 2009

Barriere.Freiheit.Seminar – Barrieren erkennen und niederreißen!

Die GRÜNE JUGEND Brandenburg lädt mal wieder zu einem spannenden Seminar ein:

Barriere.Freiheit.Seminar

Was sind Barrieren und wo kommen sie in unserem Alltag vor?

Wir werden über Barrieren auf allen Ebenen diskutieren und unseren Blickwinkel diesbezüglich erweitern. Außerdem sprechen wir über das Europäische Konzept Zugänglichkeit (ECA) und versuchen, in die Lebenswelten der Gehörlosen einzutauchen. Wer mag, ist herzlich eingeladen!

Alle Infos zum Seminar findet ihr hier.

Wir wollen Barrieren im Alltag erkennen und niederreißen!

Add comment Mai 27, 2009

Mit Wums und Rabatz für Europa!

Die KandidatInnen der GRÜNEN JUGEND zur Europawahl touren mit Wums und Rabatz durch die gesamte Bundesrepublik. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben sie auf vorderste Listenplätze für die Europawahl gewählt – und sind damit die einzige Partei der Bundesrepublik, die gleich mehrere Unter-30-Jährige für ganz heiße Plätze nominiert hat:

Ska Keller Ska Keller ist 27 Jahre jung und kommt aus dem brandenburgischen Guben. Ihre Themenschwerpunkte sind Migrations- und Flüchtlings- sowie Türkeipolitik.

Ska kandidiert auf Listenplatz 7.

Franziska BrantnerFranziska Brantner ist 29 Jahre jung und kommt aus Heidelberg. Ihre Themenschwerpunkte sind Gleichberechtigung, soziales Europa und feministische Gesellschaftspolitik.

Franziska kandidiert auf Listenplatz 11.

Jan Philipp AlbrechtJan Philipp Albrecht ist 26 Jahre jung und kommt aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel. Seine Themenschwerpunkte sind die europäische Innen- und Justizpolitik, BürgerInnenrechte und Demokratie sowie Anti-Atom-Politik.

Jan kandidiert auf Listenplatz 12.

Nun stecken die drei mitten im Wahlkampf. Hier könnt ihr euch Videos von ihren Touren ansehen.

Add comment Mai 26, 2009

Lass uns zusammen gehen!

broken glas (2)

„Denkst du nicht auch manchmal,
daß dir was fehlt, du weißt nicht, was?
Wie kommst du klar mit dieser Welt,
die so kalt ist wie Stahl und Glas?
Laß uns zusammen gehen!“

(Rio Reiser: Wovon träumst du?)

picture: Julian24 / license: creative commons

Add comment Mai 25, 2009

Deutschland feiert. Ich anders.

Dinner timeDeutschland feiert den 60. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes. Ich feiere auf meine Weise.

Ich denke nach, was mich heute bewegt. Ich denke nach, was mich überhaupt mit Deutschland verbindet. Ich denke nach, was mich die Geschichte dieses Landes lehrt. Und ich denke nach, warum Menschen in diesem Land Meinungen besitzen, die sie sicher nicht hätten, wenn sie auch mal nachdenken würden.

Am Ende dieses Nachdenkens stelle ich fest, dass ich zufällig hier geboren bin und dass ich für Ideale streite, die ich überall woanders auch erstreiten wollen würde. Ich kämpfe für Gerechtigkeit, nicht für irgendein Land.

El mundo es nuestro!!!!Da heute sicherlich überall nur das Deutschlandlied zu hören ist, welches ich nicht gerne hören oder singen wollen würde, lese ich im Stillen Brechts „Kinderhymne“, die für mich eine wunderbare Antwort auf jede Deutschtümelei darstellt.

Vielleicht gibt es wirklich keine andere Hymne „die die Liebe zum eigenen Land so schön, so rational, so kritisch begründet, und keine, die mit so versöhnlichen Zeilen endet“ (Irving Fetscher). Wer also auch lieber kritisch-versöhnlich bleiben möchte, ist herzlich zum stillen Mitlesen und -summen eingeladen.

Kinderhymne

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

Bert Brecht

1st picture: Ester Björg / license: creative commons
2nd picture: Raúl A. / license: creative commons

2 comments Mai 23, 2009

Wenn blinde Gespräche auf taube Ohren treffen.

Gestern erschien auf ZEIT ONLINE der Artikel „Was siehst du? Was hörst du?“ von Henning Sussebach, der ein Interview mit einer blinden Frau und einem gehörlosen Mann wiedergibt und aus journalistischer Sicht reflektiert.

FingeralphabetLeider werden in diesem Artikel subjektive Meinungen der Interviewten als allgemeingültig hingenommen und persönliche Annahmen weder journalistisch hinterfragt noch auf tatsächliche Fakten recherchiert. Damit ist dieser Artikel nicht ohne Grund Auslöser für nachvollziehbare Proteste aus der Gehörlosenwelt.

„Es würde nichts bringen, wenn sie jetzt Hallo sagte. Nichts, wenn er winken würde.“

Bereits zu Beginn des Interviews wird die Kommunikationsfähigkeit zweier mündiger Menschen in Frage gestellt: Der Journalist spricht der blinden Frau und dem gehörlosen Mann schon von Vornherein die Kompetenz ab, sich kommunikativ aufeinander einlassen zu können. Dabei ist sie als Blinde sehr wohl in der Lage, ihm zuzuwinken, was er als Gehörloser selbstverständlich sehen würde. Andersherum könnte sie durch auditive, taktile und olfaktorische Sinne seine Begrüßung wahrnehmen.

„So ist es ein zaghaft herbeigetasteter Händedruck, mit dem der Versuch beginnt, zwei Menschen, die sonst nicht ins Gespräch kämen, miteinander reden zu lassen.“

Allein, dass dieses Interview als Experiment dargestellt wird, wirkt auf mich wie ein zur Schau stellen zweier Menschen, das möglichst überraschend und effektreich wirken soll. Ich fühle mich bei diesen Worten in eine Zeit versetzt, in der es üblich war, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen einem Publikum vorzuführen, damit auf bemerkenswerte Weise demonstriert werden konnte, wie bildsam diese Menschen tatsächlich seien.

Mekdes zeigt Ich hab dich lieb„Um Karina Wuttke und Mario Torster kommunizieren lassen zu können, ist eine Dolmetscherin gekommen, Rita Spring, Kind gehörloser Eltern.“

Ein Kind gehörloser Eltern (CODA – Child Of Deaf Adults) ist keinE DolmetscherIn. Da CODA’s hörend sind, begleiten sie ihre Eltern zwar oftmals als KommunikationsassistentInnen zu Ämtern, Behörden, Banken und ÄrztInnen, sie besitzen jedoch keine fundierte Ausbildung als staatlich geprüfte GebärdensprachdolmetscherInnen. Von daher verfügen sie zwar über Kenntnisse in Deutsch und Deutscher Gebärdensprache (DGS) und können Übersetzungs- und Kommunikationshilfen sein, sie beherrschen in der Regel aber nicht die erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten eineR/S DolmetscherIn.

„Es ist ein Interview mit Zeitverzögerung.“

Staatlich geprüfte DolmetscherInnen haben gelernt, simultan zu dolmetschen und Perspektiven zu berücksichtigen. Diese Techniken beherrscht Rita Spring offenbar nicht. Sonst wäre Mario Torster in diesem Interview nicht dermaßen stark benachteiligt gewesen.

„Kann man damit alles sagen?“

Auf die Frage der blinden Karina Wuttke, ob mensch mit der DGS denn alles ausdrücken könne, antwortet Rita Spring: „Vieles, wenn auch nicht so viel wie die Sprechenden“. Allein diese Aussage wirft jahrzehntelange gebärdensprachlinguistische Forschung und erbitterten Kampf um die Anerkennung der Gebärdensprache als natürliche, vollwertige und eigenständige Sprache über den Haufen und stärkt nachhaltig Klischees und Vorurteile über die DGS als minderwertige Sprachkrücke, die der deutschen Lautsprache um Längen unterlegen wäre. Es ist bitter genug, diesen Satz von einer CODA lesen zu müssen, aber ebenso traurig ist auch, dass sich Journalist Henning Sussebach offensichtlich keinerlei Recherchearbeit gemacht hat, um etwas über die Hintergründe der Gehörlosenkultur sowie die Anerkennung der DGS als vollwertige Sprache zu erfahren.

„Es gibt für Gehörlose bis heute Ausbildungsplätze in klassischen Gehörlosenberufen: Konfektionsschneider, Kfz-Mechaniker, Zahntechniker oder eben Schreiner.“

Es ist sicherlich richtig, dass Gehörlose bis heute vermehrt in diesen „klassischen Gehörlosenberufen“ arbeiten. Aber ebenso richtig wäre es, zu erwähnen, dass viele Gehörlose Abitur machen, studieren und in akademischen Berufen arbeiten. Angesichts des jahrzehntelangen Kampfs der Gehörlosenbewegung um Anerkennung als sprachliche und kulturelle Minderheit, adäquate bilinguale Bildung sowie mediale und politische Teilhabe tut es tut weh, dass sich manche Gehörlose selbst diffamieren, indem sie noch von sogenannten „klassischen Gehörlosenberufen“ sprechen. Natürlich finden viele Gehörlose in handwerklichen Berufen ihre Erfüllung, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Gehörlose im Generellen nicht auch fähig wären, eine akademische Laufbahn anzustreben.

„Unmöglich. Politik wird von Hörenden gemacht.“

Auch dies ist eine sehr persönliche Meinung Mario Torsters. Natürlich gibt es auch Gehörlose, die Politik machen. Bestes Beispiel ist sicherlich Helene Jarmer, die nach der Europawahl in den österreichischen Nationalrat nachrücken wird.

„Mich interessieren DVDs. Die haben fast immer Untertitel.“

Bewaffnete FabrikarbeiterLeider entspricht diese Aussage nicht einmal ansatzweise der Wahrheit. Auf den meisten DVD’s finden sich keine Untertitel und nicht umsonst existiert seit Jahren die Forderung nach besserer Untertitelung im Fernsehen. Derzeit liegt die Fernseh-Untertitelung bei unsäglichen 3 %.

„Wir reden eben nicht so viel.“

Am Ende des Interviews fragt Journalist Henning Sussebach, ob es in der Natur der Sache läge, dass die blinde Karina Wuttke mehr zu Wort gekommen sei als der gehörlose Mario Torster, worauf Torster antwortet, dass Gehörlose im Generellen nicht so viel reden würden. Dies ist natürlich auch nur eine subjektive Aussage – Gehörlose reden nicht weniger, inhaltsloser oder minderwertiger als Hörende, das sollte noch einmal klar gestellt werden! Ein Grund für seine knappen Worte könnte natürlich auch dem Fakt geschuldet sein, dass das Dolmetschen nicht simultan verlaufen ist und er von daher keine Möglichkeit gehabt hatte, wirklich zeitnah in die Diskussion einzusteigen bzw. an geeigneter Stelle seine eigene Meinung zu sagen.

Resonanzen

Mich würde interessieren, wie das Echo der Welt der Blinden auf dieses Interview ausfällt. Vielleicht gab es auch hier Unstimmigkeiten oder (unbewusste) Diskriminierungen?

Auf jeden Fall möchte ich noch gerne auf die Diskussion im Taubenschlag und bei Jule verweisen, durch die ich auf das Interview aufmerksam geworden bin. Ein bisschen Recherchieren und Informieren lohnt garantiert!

1st picture: Bodum / license: creative commons
2nd picture: kinderpate / license: creative commons
3rd picture: rrho / license: creative commons

Add comment Mai 22, 2009

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