Archive for 17. Juli 2008

Kritik? Kontroverse! Ein Diskurs.

Vor etwa zwei Wochen veröffentlichte ich hier meine persönliche Betrachtung zu einem durchaus Kontroverse erzeugenden Plakat der CBM. In einer Mail an die Mission formulierte ich, dass ich mich freuen würde, wenn die Aussage des Werbeplakates („Und noch immer gibt es Millionen, die nicht hören können“), die in mir durchaus kritische Reaktionen hervorruft, erneut diskutiert werden würde. Heute erhielt ich eine Antwort der CBM, wie ich sie in etwa erwartet hatte:

Ich kann Ihre Argumentation einerseits nachvollziehen, wenn ich die Position eines z.B. nach 1970 oder 1980 in Deutschland geborenen und von Geburt an gehörlosen Menschen einnehme. Dieser hat oder hatte (oftmals) die Chance, Gebärdensprache zu lernen und lebt dann vielleicht „glücklich in einer Gebärdensprachgemeinschaft“, wie Sie schreiben.

Der Schreiber, Hans-Peter Kuhlmann (SpenderInnenbetreuer für die CBM Deutschland), schreibt des Weiteren, dass er selbst erst vor kurzem einen gehörlosen Mann im Hause der Mission erlebt habe, der, gedolmetscht durch seiner Frau,

„erzählte“, [...] wie sein (steiniger!) Werdegang bis heute war; aber auch, dass er sich nun sehr wohl in seiner Rolle fühlt – das war sehr beeindruckend.

Kritik? Kontroverse!An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich es sehr bedauere, wenn das Erzählen des Gehörlosen in Deutscher Gebärdensprache (DGS) in Anführungszeichen gesetzt wird. Dies verdeutlicht in meinen Augen das allgemein angenommene Bild, dass es sich beim Sprechen in der DGS nur um eine Art Plaudern handele und nicht um eine anerkannte Kommunikationsform, die sämtliche Kriterien einer vollwertigen, eigenständigen und natürlichen Sprache erfüllt.

Nun berichtet Herr Kuhlmann von der anderen Seite – er schreibt davon, dass die CBM ausschließlich in Entwicklungsländern arbeite, wo es Millionen von Menschen gebe, die von vielfältigen Hörschädigungen betroffen seien.

Unzähligen könnte durch ein Hörgerät sehr leicht geholfen werden, das wir dort für 20 Euro beschaffen – dafür bitten wir z.B. durch dieses Plakat um Spenden; und das sehen wir durchaus als einen „Ausgleich“ an, denn es gibt ein äußerst beeindruckendes „Vorher“ und „Nachher“ – vergleichbar mit einer erfolgreichen Katarakt-Operation. Für dieses „Vorher-Nachher“, das dann natürlich in Ihrem Sinne „die Lebensqualität verbessert“ – und zwar erheblich – versuchen wir alle Register zu ziehen. Und wenn jemand, der selbst irgendwie von diesem Thema betroffen ist, sich deshalb zu einer Spende entschließt, damit wir davon ein Hörgerät kaufen können oder auch speziellen Unterricht anbieten können, dann hat eine solches Plakat seinen Zweck erfüllt.Kritik? Kontroverse!

Gleichzeitig räumt Herr Kuhlmann ein, dass diese Register „manchmal etwas plakativ“ seien:

Aber wie wollen Sie sonst Aufmerksamkeit erregen? Dieses und andere Plakate hat für uns BBDO Düsseldorf entworfen, eine der renommiertesten internationalen Werbeagenturen. Bis diese ein fertiges Produkt vorlegen, geht eine längere Zeit des kontroversen Diskutierens voraus.

Am Ende bedankt er sich für meine Mail und sagt, dass die Mission gerne ihre „Augen schärfen“ wolle, um eventuellen Fettnäpfchen aus dem Wege zu gehen und die „andere Seite“ kennenlernen zu können.

Ich bin Herrn Kuhlmann jedenfalls sehr dankbar für seine Antwort und freue mich, dass die Mission die Bedenken und Anregungen ihrer Mitmenschen offen aufnimmt, ihre eigene Arbeit kritisch reflektiert und auf Fragen und kritische Anmerkungen ehrlich eingeht.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal für die vielen Mails und persönlichen Feedbacks bedanken, die ich vor allem von meinen KommilitonInnen der Gebärdensprach-/Audiopädagogik und der Deaf Studies sowie aus meinem Freundes- und Familienkreis erhalten habe!

2nd picture: Jubilategemeinde / license: creative commons

Add comment Juli 17, 2008

Wahlrecht für alle!

Vor zwei Tagen rief mich eine Journalistin von der Märkischen Allgemeinen Zeitung an, um mich zum Thema Minderjährigenwahlrecht zu interviewen. Herausgekommen ist ein Artikel, in dem ich im Namen der GRÜNEN JUGEND Brandenburg Stellung bezogen habe.

EU-Parlament (Brüssel)

So machte ich deutlich, dass wir für ein unbeschränktes Wahlrecht, das heißt für ein Wahlrecht ab Geburt, eintreten. Die Forderung von JuSos, JuLis und Solid nach einem allgemeinen Wahlrecht ab 16 Jahren unterstützen wir in so weit, dass wir sie für einen ersten Schritt in die richtige Richtung halten. In unseren Augen ist aber auch diese neue, wenn auch niedrigere Hürde nur eine weitere willkürliche Festlegung einer neuen Altersgrenze.

„Die Absenkung der Altersgrenze auf 16 ist im Moment ein realistischer Kompromiss“, sagt Sprecherin Sarah Benke. „Altersgrenzen werden immer willkürlich festgelegt. Sie treffen keine Aussage über das Politikinteresse junger Leute.“

Mit unserer Forderung, jegliche Altersgrenze für das Wahlrecht abzuschaffen, sind wir der weitgehendste politische Jugendverband in Brandenburg.

Im Interview wurde ich auch gefragt, wie ich mir niedrige Wahlbeteiligungen und Desinteresse an Politik, insbesondere unter Jugendlichen, erkläre.

Dies hänge vor allem mit der Art und Weise zusammen, wie junge Leute an die Politik herangeführt werden. „Wenn man Politik aufgezwängt bekommt, kann das nicht funktionieren. Die Jugendlichen müssen selbst kommen, am besten über Teilhabe. Junge Leute haben Spaß an der Arbeit, die sie selbst machen.“

Ich erlebe immer wieder, wie gerne sich Kinder und Jugendliche in politische Angelegenheiten einmischen wollen. Sie wollen aktiv teilhaben an den Entscheidungen, die sie selbst betreffen. Deshalb bedauere ich, dass sie sich kaum einbringen können, weil sie keine starke Lobby haben, die für sie spricht und ihr Mitbestimmungsrecht einfordert.

Add comment Juli 17, 2008


Untertitel-Petition

Sarah

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